Schwerhörigkeit erkennen, verstehen und behandeln
Gespräche werden anstrengender, der Fernseher läuft lauter als früher oder bestimmte Geräusche gehen im Alltag unter? Eine Schwerhörigkeit entwickelt sich häufig schleichend und bleibt deshalb zunächst unbemerkt. Dabei kann eine Hörminderung Menschen jeden Alters betreffen. Erfahren Sie, welche Anzeichen auf eine Schwerhörigkeit hindeuten, welche Ursachen dahinterstecken können und wie sich das Hörvermögen untersuchen und verbessern lässt.
Was ist Schwerhörigkeit?
Von Schwerhörigkeit sprechen wir, wenn das Hörvermögen eingeschränkt ist und Geräusche oder Sprache nicht mehr so gut wahrgenommen werden wie bei normalem Gehör. Die Hörminderung kann ein oder beide Ohren betreffen, plötzlich auftreten oder sich über einen längeren Zeitraum entwickeln.
Dabei bedeutet Schwerhörigkeit nicht zwangsläufig, dass Betroffene alles leiser hören. Häufig fällt es ihnen vor allem schwer, Sprache deutlich zu verstehen oder einzelne Stimmen aus Hintergrundgeräuschen herauszufiltern.
Beginnende Schwerhörigkeit: so äußert sie sich
Eine beginnende Schwerhörigkeit macht sich oft zuerst in Situationen bemerkbar, in denen das Gehör besonders gefordert ist. Gerade in größeren Gesprächsrunden oder bei störenden Hintergrundgeräuschen fällt das Verstehen zunehmend schwer.
Typische erste Anzeichen sind:
- Häufiges Nachfragen: Sie müssen Gesprächspartner öfter bitten, etwas zu wiederholen.
- Schwierigkeiten bei Hintergrundgeräuschen: Unterhaltungen im Restaurant oder bei Familienfeiern werden anstrengend.
- Höhere Lautstärke: Sie müssen Fernseher, Radio oder Telefon lauter einstellen als früher.
- Undeutliche Sprache: Sie hören zwar, dass jemand spricht, verstehen aber nicht jedes Wort.
- Überhören von Signalen: Türklingeln, Vogelstimmen oder hohe Töne werden schlechter wahrgenommen.
- Schnellere Ermüdung: Längere Gespräche erfordern zunehmend Konzentration.
Da diese Veränderungen häufig schrittweise auftreten, bemerken Angehörige sie manchmal früher als die Betroffenen selbst.
Ab wann ist man schwerhörig? Die Schweregrade im Überblick
Ob eine Schwerhörigkeit vorliegt, lässt sich mithilfe eines Hörtests feststellen. Dabei ermitteln wir unter anderem, wie laut ein Ton sein muss, damit Sie ihn gerade noch wahrnehmen können. Dieser Wert wird in Dezibel Hörverlust (dB HL) angegeben.
Die folgende Einteilung der Schweregrade einer Schwerhörigkeit orientiert sich an den WHO-Kategorien für Erwachsene. Maßgeblich ist dabei der durchschnittliche Hörverlust auf dem besser hörenden Ohr bei bestimmten Prüffrequenzen.
Schweregrad | Hörverlust | Mögliche Auswirkungen |
Normalhörigkeit | Unter 20 dB HL | Sprache wird unter üblichen Bedingungen gut verstanden |
Leichtgradige Schwerhörigkeit | 20 bis unter 35 dB HL | Leise Sprache oder Gespräche bei Hintergrundgeräuschen werden schwieriger |
Mittelgradige Schwerhörigkeit | 35 bis unter 50 dB HL | Gespräche in normaler Lautstärke können zunehmend schwer verständlich sein |
Mittel- bis hochgradige Schwerhörigkeit | 50 bis unter 65 dB HL | Auch direkte Gespräche erfordern häufig eine deutlich höhere Lautstärke |
Hochgradige Schwerhörigkeit | 65 bis unter 80 dB HL | Sprache wird ohne Unterstützung oft nur eingeschränkt verstanden |
Sehr schwerer Hörverlust | 80 bis unter 95 dB HL | Selbst laute Sprache ist häufig kaum verständlich |
Vollständiger Hörverlust | Ab 95 dB HL | Akustische Signale werden nicht oder nur äußerst eingeschränkt wahrgenommen |
Die Grenzen können je nach verwendeter Klassifikation abweichen. Außerdem sagt der reine Hörverlust nicht alles über das Sprachverstehen aus.
Besonders bei einer mittelgradigen Schwerhörigkeit kann die Kommunikation im Alltag bereits deutlich beeinträchtigt sein. Eine frühzeitige Hördiagnostik hilft, den individuellen Unterstützungsbedarf zu bestimmen.
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Welche Formen und Ursachen von Schwerhörigkeit gibt es?
Je nachdem, welcher Bereich des Hörsystems betroffen ist, unterscheiden Fachleute mehrere Formen:
Schallleitungsschwerhörigkeit
Hier wird der Schall im Außen- oder Mittelohr nicht richtig weitergeleitet. Mögliche Ursachen sind ein Ohrenschmalzpfropf, Flüssigkeit im Mittelohr oder Veränderungen am Trommelfell beziehungsweise an den Gehörknöchelchen.
Schallempfindungsschwerhörigkeit
Bei dieser Form liegt die Störung im Innenohr oder am Hörnerv. Sie wird auch als sensorineurale Schwerhörigkeit bezeichnet. Zu den möglichen Ursachen zählen Lärmbelastung, genetische Faktoren, bestimmte Erkrankungen oder hörschädigende Medikamente.
Kombinierte Schwerhörigkeit
Bei einer kombinierten Schwerhörigkeit bestehen gleichzeitig Störungen der Schallleitung und der Schallempfindung.
Schwerhörigkeit im Alter
Eine häufige Form ist die altersbedingte Schwerhörigkeit, bei der das Hörvermögen meist langsam nachlässt. Welche Veränderungen dabei auftreten und welche Versorgungsmöglichkeiten bestehen, erfahren Sie in unserem Ratgeber zur Altersschwerhörigkeit.
Schwerhörigkeit und Psyche: Welche Folgen sind möglich?
Schwerhörigkeit betrifft nicht nur das Gehör. Wer Gesprächen schwer folgen kann, erlebt möglicherweise Missverständnisse, Unsicherheit oder Frustration. Manche Betroffene ziehen sich deshalb aus gesellschaftlichen Situationen zurück.
Eine unbehandelte Hörminderung kann mit sozialer Isolation, psychischer Belastung und depressiven Beschwerden einhergehen. Studien zeigen zudem einen Zusammenhang zwischen Hörverlust und einem erhöhten Demenzrisiko. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Schwerhörigkeit zwangsläufig zu einer Demenz führt.
Umso wichtiger ist es, Hörprobleme ernst zu nehmen und frühzeitig Unterstützung zu suchen.
Wie wird Schwerhörigkeit festgestellt?
Zur Diagnose gehören eine Untersuchung des Ohres und verschiedene Hörtests. Bei der Ton-Audiometrie wird gemessen, welche Töne Sie bei unterschiedlichen Frequenzen wahrnehmen. Eine Sprach-Audiometrie untersucht zusätzlich, wie gut Sie gesprochene Wörter verstehen.
Je nach Befund können weitere Untersuchungen notwendig sein, beispielsweise zur Funktion des Mittelohres.
Wichtig: Eine plötzlich auftretende, neu bemerkte oder deutlich zunehmende Hörminderung sollte zeitnah HNO-ärztlich abgeklärt werden. Bei zusätzlichen Beschwerden wie starkem Schwindel, Ohrenschmerzen oder neurologischen Auffälligkeiten ist eine besonders dringliche Untersuchung erforderlich.
Schwerhörigkeit behandeln: Welche Möglichkeiten gibt es?
Die Behandlung einer Schwerhörigkeit richtet sich nach ihrer Ursache, Form und Ausprägung. Manche Hörminderungen lassen sich medizinisch oder operativ behandeln, beispielsweise wenn eine behebbare Störung im Mittel- oder Außenohr vorliegt.
Bei einer dauerhaften Innenohrschwerhörigkeit können geschädigte Sinneszellen in der Regel nicht wiederhergestellt werden. Häufig helfen jedoch individuell angepasste Hörgeräte, Sprache und Alltagsgeräusche besser wahrzunehmen. Bei sehr ausgeprägtem Hörverlust kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Cochlea-Implantat infrage kommen.
Die Hörakustiker von OHRWERK Hörgeräte unterstützen Sie bei der Einschätzung Ihres Hörvermögens und beraten Sie zu passenden Hörlösungen. Die medizinische Diagnose und Behandlung erfolgen durch einen HNO-Arzt.
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Häufig gestellte Fragen zur Schwerhörigkeit
Ab wann gilt man als schwerhörig?
Nach WHO-Klassifikation beginnt eine Hörminderung bei Erwachsenen ab einem durchschnittlichen Hörverlust von 20 dB HL. Entscheidend sind jedoch auch das Sprachverstehen und mögliche Einschränkungen im Alltag.
Welche Anzeichen sprechen für eine beginnende Schwerhörigkeit?
Häufiges Nachfragen, Schwierigkeiten beim Verstehen in geräuschvoller Umgebung und eine zunehmend höhere Fernsehlautstärke können erste Hinweise sein. Ein professioneller Hörtest schafft Klarheit.
Welche Schweregrade der Schwerhörigkeit gibt es?
Die Schwerhörigkeit wird anhand des gemessenen Hörverlusts in verschiedene Schweregrade eingeteilt. Diese reichen von einer leichtgradigen über eine mittelgradige und hochgradige Hörminderung bis zum vollständigen Hörverlust.
Kann Schwerhörigkeit behandelt werden?
Ja, abhängig von der Ursache. Manche Hörminderungen sind medizinisch behandelbar. Bei dauerhaften Schäden im Innenohr können Hörgeräte oder gegebenenfalls Cochlea-Implantate das Hören und Sprachverstehen unterstützen.
Kann Schwerhörigkeit die Psyche beeinflussen?
Ja. Anhaltende Verständigungsprobleme können Stress, Unsicherheit und sozialen Rückzug begünstigen. Eine geeignete Hörversorgung und Unterstützung im persönlichen Umfeld können helfen, die Lebensqualität zu verbessern.
Gibt es eine Behandlung für eine Innenohrschwerhörigkeit?
Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Bei dauerhaften Schäden an den Sinneszellen können Hörgeräte das Sprachverstehen verbessern. Bei hochgradigem Hörverlust kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Cochlea-Implantat helfen. Eine HNO-ärztliche Untersuchung klärt die Möglichkeiten.
Gibt es spezielle Hörgeräte für leichte Schwerhörigkeit?
Ja, auch bei leichter Schwerhörigkeit können moderne Hörgeräte sinnvoll sein. Besonders kleine, unauffällige Modelle unterstützen das Sprachverstehen und gleichen individuelle Hördefizite aus. Welche Bauform geeignet ist, hängt vom persönlichen Hörbedarf ab.
Welche modernen Technologien verbessern die Sprachverständlichkeit bei Schwerhörigkeit?
Moderne Hörgeräte nutzen beispielsweise Richtmikrofone, digitale Störgeräuschunterdrückung und KI-gestützte Signalverarbeitung. Diese Technologien können Sprache hervorheben und störende Hintergrundgeräusche reduzieren. Wie stark sie helfen, hängt von der Hörsituation und dem individuellen Hörverlust ab.